Geschichte der Stadt Medebach - Ein Überblick

Ersterwähnung 

Im Jahre 1994 beging die Stadt Medebach die 850. Wiederkehr ihrer Ersterwähnung. In einer Urkunde aus dem Jahre 1144 verlieh der Kölner Erzbischof Arnold I. von Wied (1138-1151) Medebach das Soester Marktrecht. Doch muss bereits lange vor der Ersterwähnung eine Siedlung in Medebach bestanden haben. Die frühesten menschlichen Spuren im Medebacher Raum reichen bis in die jüngere Steinzeit zurück, doch ist erst für das frühe 8. Jahrhundert von einer dauerhaften Ansiedlung auszugehen. Eine intensivere Erschließung des Gebietes um Medebach erfolgte nach den Sachsenkriegen unter Karl dem Großen (768-814). Der karolingische Landesausbau mit der Einrichtung königlicher Besitzzentren, der Anlage befestigter Plätze und einer verstärkten Siedlungstätigkeit wurde durch die Einteilung der eroberten sächsischen Gebiete in Grafschaften verfestigt, in denen Grafen stellvertretend die rechtlichen und militärischen Aufgaben des Königs wahrnahmen. Der gleichzeitige Aufbau eines Pfarrkirchensystems führte zur Gründung einer Pfarrkirche in Medebach, die der Zuständigkeit des Erzbistums Köln unterstellt wurde.

Entwicklung 

Die weitere Entwicklung bis in das 12. Jahrhundert lässt sich wegen fehlender Quellen nicht nachvollziehen, doch zeigen die Bestimmungen der Urkunde von 1144, dass Medebach zu dieser Zeit bereits städtische Züge trug. Die Stadtwerdung, die in den folgenden zwei Jahrzehnten rasch fortschritt, erreichte 1165 einen vorläufigen Abschluss, als Erzbischof Rainald von Dassel (1159-1167) Medebach das Soester Stadtrecht verlieh und damit die bürgerlichen Interessen gegen die Ansprüche kölnischer Lehnsträger unterstützte. Die Stellung, die Medebach in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts erreicht hatte, wird besonders an seinen Handelsbeziehungen deutlich. Die Stadt war nicht nur ein bedeutender regionaler Marktort, sondern Medebacher Kaufleute unterhielten Verbindungen zur Hanse, in den Ostseeraum und sogar bis nach Russland. Die Lage Medebachs in unmittelbarer Nähe zweier wichtiger Handelswege, der Heidenstraße, die von Köln nach Leipzig führte, und der Weinstraße, die den Frankfurter Raum mit Soest und darüber hinaus mit Norddeutschland verband, hat die Ausbildung des städtischen Fernhandels entscheidend begünstigt. Doch sollte die Blüte nur wenige Jahre anhalten. Während der territorialpolitischen Auseinandersetzungen zwischen dem Erzbischof von Köln, Philipp von Heinsberg (1167-1191), und dem Herzog von Sachsen, Heinrich dem Löwen (1142-1180), wurde Medebach im Oktober 1179 von den Truppen Bernhards von der Lippe, eines Anhängers des sächsischen Herzogs, zerstört. Diese Katastrophe bedeutete einen tiefen Einschnitt in der Entwicklungsgeschichte der Stadt. Erst 1220 wurde Medebach wieder Ziel erzbischöflicher Privilegierung, als Erzbischof Engelbert I. von Berg (1216-1225) den Medebachern die Rechte der Bürger von Rüthen und Brilon verlieh. Gleichzeitig wurde eine engere Verbindung zwischen der Stadt und dem um 1177 gegründeten Augustinerinnenkloster Küstelberg hergestellt, indem das Kloster das Patronat über die Medebacher Pfarrkirche erhielt. 1275 erteilte das Kloster der Stadt die Erlaubnis, einen Kaplan als Lehrer anzustellen, womit die Einrichtung einer ersten Schule verbunden war. Im Zusammenhang mit der Grenzziehung zwischen dem Kurfürstentum Köln und der Grafschaft Waldeck häufen sich um 1300 die Nachrichten über Medebach. Köln musste an einer besseren Kontrolle des wichtigen Grenzpostens Medebach gelegen sein. Besonders Erzbischof Wikbold von Holte (1297-1304) bemühte sich um eine stärkere Einflussnahme in der Stadt gegen die Herrschaftsansprüche benachbarter Adelsgeschlechter. 1298 kaufte er von den Edelherren von Wittgenstein die Vogtei mit Gericht, Zoll und Münze, und auch der Erwerb des Gogerichts von dem Edelherrn Heinrich von Itter dürfte um 1300 erfolgt sein. In Medebach wurde ein befestigter Burgmannssitz eingerichtet, womit eine Erweiterung der Stadt verbunden war. Der Festigung der erzbischöflichen Stadtherrschaft dien-ten auch die Verlegung des Klosters Küstelberg nach Glindfeld im Jahre 1298 und eine Bestätigung und Stärkung der bürgerlichen Rechte. Medebach wurde Sitz des 1333 erstmals erwähnten Amtes, das aus dem Gogericht hervorgegangen war und die um die Städte Medebach, Hallenberg und Winterberg gelegenen Dörfer sowie die Freigrafschaften Züschen, Grönebach und Düdinghausen umfasste. Zwar hat Medebach eine der Zeit vor 1179 vergleichbare Blüte nicht mehr erreicht, doch als kölnischer Amtssitz und bedeutender regionaler Handelsplatz nahm die Stadt eine wichtige Stellung im südöstlichen Teil des Herzogtums Westfalen ein. Die Errichtung der Stadtmauer mit drei Stadttoren kam im ersten Viertel des 14. Jahrhunderts zum Abschluss, 1341 erfolgte der Neubau der Andreaskapelle, des ältesten erhaltenen Gebäudes in Medebach. Die um 1350 aufgezeichneten Medebacher Statutarrechte lassen einige Aussagen über die städtische Verfassung und die wirtschaftlichen Verhältnisse zu. Die Vertretung der Bürgerschaft wurde durch den Stadtrat wahrgenommen. Er war u.a. für die Wahrung des Friedens innerhalb der Stadtmauern, die Aufsicht über Maße und Gewichte sowie die Kontrolle des Münzmeisters zuständig. Landwirtschaft und Viehzucht bildeten die Grundlage des bürgerlichen Wohlstandes. Unter den Handwerkszweigen besaßen Tuch- und Lederverarbeitung besondere Bedeutung. Der Handel war auf den regionalen Raum beschränkt, Zeugnisse für einen Fernhandel Medebacher Kaufleute sind für das Spätmittelalter nicht überliefert. In der Mitte des 14. Jahrhunderts hatte die Stadt eine Entwicklungsstufe erreicht, die für die nächsten Jahrhunderte nahezu unverändert bleiben sollte. Eine letzte geringfügige Erweiterung des Stadtgrundrisses ist für das 15. Jahrhundert anzunehmen, als die spätmittelalterliche Agrarkrise, verbunden mit Seuchenepidemien und einem ausufernden Fehdewesen, einen umfangreichen Wüstungsprozeß in Gang setzte. Auch in der Umgebung Medebachs wurden viele kleinere Ortschaften und Weiler von den Bewohnern aufgegeben. Sie siedelten in die größeren, befestigten Orte über und bewirtschafteten ihre Ackerflächen nun von ihrem neuen Wohnort aus. Die Entstehung der Medebacher Markengenossenschaften ist im wesentlichen auf diese Entwicklung zurückzuführen.

Infolge der Soester Fehde (1444-1449) war Erzbischof Dietrich II. von Moers (1414-1463) zur Verpfändung seiner Einkünfte aus dem Amt Medebach gezwungen. Die Pfandschaft verschiedener Adelshäuser, insbesondere der Herren von Viermünden, konnte erst 1600 durch eine Untertaneninitiative beendet werden. 1499 wurde das Augustinerinnenkloster Glindfeld in ein Kloster der Kreuzherren umgewandelt. Die Beziehungen zwischen dem Kloster und der Stadt wurden im Hauptrezeß von 1502 auf eine neue Grundlage gestellt. Die Kreuzherren haben die Geschichte Medebachs, besonders in der Reformationszeit, sehr stark beeinflusst.

Reformation 

1517 hatte Martin Luther seine 95 Thesen veröffentlicht, womit die Reformation in Deutschland begann. Das Kurfürstentum Köln wurde jedoch erst nach dem gescheiterten Reformversuch des Kurfürsten Hermann V. von Wied (1515-1547) von reformatorischen Strömungen erfasst. Erste Nachrichten über protestantische Bewegungen in der Stadt Medebach sind aus den Jahren 1555 und 1556 überliefert. 1564 setzte der zuständige Prior des Klosters Glindfeld den zum Luthertum übergetretenen Priester Hermann Haverstro ab. Dass die Lehren Luthers in Medebach rezipiert wurden, wird auch an der großen Zahl von Studenten aus Stadt und Amt Medebach deutlich, die in jenen Jahren die protestantische Universität Marburg besuchten. Auf dem Landtag von Arnsberg (1583) schloss sich die Stadt Medebach dem Kurfürsten Gebhard Truchseß von Waldburg (1577-1583) an, der 1582 zum Protestantismus übergetreten war und den Versuch unternahm, das geistliche Kurfürstentum Köln in ein weltliches Territorium umzuwandeln. Nach dem Scheitern des Truchseß setzte unter dem neuen Kurfürsten Ernst von Bayern (1583-1612) auch in Medebach die Gegenreformation ein, die rasch zur Rekatholisierung der Bevölkerung führte.

Schwieriger gestalteten sich die Verhältnisse in der Freigrafschaft Düdinghausen mit den Pfarrorten Düdinghausen, Deifeld und Eppe. Obwohl Kurköln die geistliche Herrschaft beanspruchte, hatten die Grafen von Waldeck, denen die Herren von Büren 1334 die Freigrafschaft Düdinghausen verpfändet hatten, dort bereits 1529 die Reformation eingeführt. 1548 gelangte die Freigrafschaft an die Herren von Büren zurück, doch deren Erben verkauften sie 1609 endgültig an Waldeck. Während des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) begann Kurköln eine rigorose und letztendlich erfolgreiche Rekatholisierungspolitik in der Freigrafschaft. Die Auseinandersetzungen mit Waldeck endeten im Teilungsvertrag von 1663, mit dem Eppe an Waldeck, die Pfarrorte Düdinghausen und Deifeld an Köln fielen. Diese beiden Orte sind heute Teil der Stadt Medebach.

Dreißigjähriger Krieg 

Unter den Ereignissen des Dreißigjährigen Krieges hatte auch die Medebacher Bevölkerung schwer zu leiden. 1632 erfolgte die erste Plünderung der Stadt durch hessische Truppen, und danach wurde Medebach bis 1646 fast jährlich von durchziehenden Truppenverbänden heimgesucht. 1634 brannten hessische Truppen die von den Einwohnern verlassene Stadt nieder. 260 Wohnhäuser, das Rathaus und die Schule wurden zerstört.

Dazu kamen Krankheiten. 1636 forderte eine Pestepidemie in Medebach 322 Opfer. Um die Toten zu bestatten, wurde die Martinsbruderschaft gegründet. Gleichzeitig wurde das "Gelobte Fest" eingeführt, das in Medebach bis heute am Samstag vor Johannes (24. Juni) begangen wird.

Entwicklung zur Ackerbürgerstadt 

Es dauerte lange, ehe Medebach sich von den Auswirkungen des Dreißigjährigen Krieges erholte. Im 18. Jahrhundert stagnierte die städtische Entwicklung, wie ein Blick in die Kopfsteuerlisten des Herzogtums Westfalen verdeutlicht. So sank etwa die Einwohnerzahl von 1582 Einwohnern im Jahre 1759 auf 1380 Einwohner im Jahre 1779. Der Broterwerb der Bevölkerung bestand, bei einer relativen Ausgeglichenheit der Sozialstrukturen, im wesentlichen aus Ackerbau und Viehzucht. Doch wurde in vielen Familien zusätzlich eine handwerkliche oder hausgewerbliche Tätigkeit ausgeübt. Auffällig ist die große Zahl der Schuhmacher, die mit 40 Vertretern 1759 den größten Handwerkszweig ausmachten. Daneben waren besonders die Tuchproduktion und die in Heimarbeit betriebene Strumpfwirkerei von Bedeutung.

Im Siebenjährigen Krieg (1756-1763) blieb der Medebacher Raum von Kampfhandlungen verschont, doch wurden die städtischen Finanzen durch erhebliche Kriegskontributionen belastet. Die hohen Steuerforderungen des Staates dauerten auch nach dem Kriegsende an. Als die Bewohner der Freigrafschaft Düdinghausen 1765 die Zahlung einer Akzise verweigerten, wurde sie gewaltsam von kurkölnischen Truppen eingetrieben. 1767 wurde auf Veranlassung des Glindfelder Priors Rudolf Lefarth ein Kreuzweg auf dem Kahlen Berg bei Medebach eingerichtet.

Infolge der Französischen Revolution von 1789 und der sich daran anschließenden Kriege kam es in Deutschland zu großen territorialen Veränderungen. Mit dem Reichsdeputationshauptschluß von 1803 wurden alle geistlichen Fürstentümer, so auch das Kurfürstentum Köln, säkularisiert. Das ehemals kurkölnische Herzogtum Westfalen gelangte an die Landgrafschaft (seit 1806 Großherzogtum) Hessen-Darmstadt. Das einschneidendste Ereignis, dass sich hiermit für Medebach verband, war die Säkularisation des Kreuzherrenklosters Glindfeld, das in ein hessisches Forstamt umgewandelt wurde, nachdem alle Versuche der Stadt, den Glindfelder Klosterbesitz zu erhalten, gescheitert waren.

Auch während der Napoleonischen Kriege, in denen das Großherzogtum Hessen zu den Verbündeten Frankreichs zählte, musste Medebach hohe Steuerzahlungen aufbringen. Da das Großherzogtum Hessen erst nach der Völkerschlacht von Leipzig (1813) zu den Gegnern Napoleons überwechselte, wurde es im Wiener Kongress zu Gebietsabtretungen gezwungen.

Herzogtum Westfalen 

Das ehemalige Herzogtum Westfalen gelangte 1816 an das Königreich Preußen. Damit gehörte Medebach nun zu einem Großstaat, der über die fortschrittlichste Verwaltung in Deutschland verfügte. 1817 wurde Medebach mit der Einrichtung des Landkreises Medebach zur Kreisstadt erhoben. Doch sollte der Landkreis Medebach, der das Gebiet der heutigen Städte Medebach, Winterberg, Hallenberg und Schmallenberg umfasste, nur zwei Jahre Bestand haben. Die Vereinigung zweier Räume unterschiedlicher Struktur, die zudem durch das Astengebirge getrennt waren, erwies sich als unpraktisch und führte 1819 zur Auflösung des Kreises. Das Amt Medebach wurde dem Landkreis Brilon zugeordnet. Mit der Einführung des preußischen Allgemeinen Landrechts im Jahre 1825 entstand die Bürgermeisterei Medebach aus den Schultheißenbezirken Medebach, Medelon, Berge, Dreislar, Küstelberg, Deifeld, Referinghausen, Titmaringhausen, Oberschledorn und Düdinghausen. In der Landgemeindeordnung für die Provinz Westfalen von 1841 wurden die Bürgermeistereien als Amtsbezirke beibehalten. Das moderne, gegenüber der kurkölnischen und hessischen Zeit wesentlich kleinere Amt Medebach sollte bis 1969 bestehen. Auch die kirchlichen Zuständigkeiten wurden neu geregelt. Papst Pius VII. (1800-23) unterstellte das Dekanat Medebach 1821 dem Bistum Paderborn.

Stadtbrand 

Das folgenschwerste Ereignis der jüngeren Medebacher Geschichte war der große Stadtbrand von 1844. Bereits 1807 hatte ein Brand das Niederstraßenviertel in Medebach vernichtet, doch waren die Schäden gering, gemessen an der Katastrophe von 1844, als die Kernstadt nahezu vollständig vernichtet wurde. 139 Gebäude, darunter die Schule, das Pfarrhaus, das Rathaus und die Kirche fielen den Flammen zum Opfer, wertvolle Dokumente der Stadtgeschichte gingen verloren. Nur die Andreaskapelle blieb unversehrt erhalten. Der sofort eingeleitete Wiederaufbau nahm viele Jahre in Anspruch und brachte eine enorme Belastung der städtischen Finanzen mit sich. Der Stadtgrundriß wurde vollkommen verändert, so dass sich die Gestalt der Stadt vor 1844 nur noch aus der Urkatasteraufnahme von 1831 erschließen lässt. Nach dreijährigen Bauarbeiten konnte die neue Kirche St. Peter und Paul 1857 geweiht werden. Die Synagoge, geistlicher Mittelpunkt der kleinen jüdischen Gemeinde in Medebach, wurde in den Jahren 1854/55 renoviert. Bereits seit 1840 verfügte auch die 1837 gegründete evangelische Gemeinde über eine eigene Kirche an der Oberstraße, die 1864 mit dem Bau eines Turmes vollendet wurde.

Industriealisierung 

Seit 1832 hatten sich im Sauerland Fabrikbetriebe angesiedelt. Doch erst 1866, als der Unternehmer Carl Ewers in Küstelberg die Produktion von Wolljacken aufnahm, wurde auch das Amt Medebach von der Industrialisierung berührt. 1897 begann die Firma Ewers in einer neuen Fabrik in Medebach mit der Herstellung von Strümpfen. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts siedelten sich weitere Betriebe, vor allem aus der Kleineisen- und holzverarbeitenden Industrie, in Medebach und den umliegenden Gemeinden an. Weiterhin aber war die Landwirtschaft der wichtigste Wirtschaftssektor für die Medebacher Bevölkerung. Außerdem gab es viele kleinere Handwerksbetriebe. Eine wichtige Rolle spielte auch der Hausierhandel, der besonders von Einwohnern der amtsangehörigen Gemeinden betrieben wurde.

Wegen seiner landschaftlichen Abgeschiedenheit und der schlechten verkehrlichen Anbindung blieb das Amt Medebach in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts deutlich hinter der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung zurück. Die Amtsvertretung setzte deshalb große Hoffnungen in den Eisenbahnbau, eine geplante Verbindung Köln-Kassel durch das Sauerland, die auch Medebach berührt hätte, wurde aber niemals realisiert. Die 1903 eröffnete Kleinbahnverbindung Steinhelle-Medebach konnte keinen Beitrag zur besseren wirtschaftlichen Erschließung des Amtes Medebach leisten.

Dennoch trugen eine ganze Reihe von neuen Infrastruktureinrichtungen zur Verbesserung der Lebensverhältnisse der Bevölkerung bei. Bereits 1867 war das Mauritiushospital gegründet worden, an dessen Stelle 1914 ein neues Krankenhaus trat. 1899 wurde der erste Kindergarten in Medebach eingerichtet, 1904 das Gymnasium eröffnet. Die ersten Petroleumstraßenlaternen wurden 1898 aufgestellt, die Installierung einer elektrischen Straßenbeleuchtung erfolgte 1920. Ebenfalls in den zwanziger Jahren wurden die Hauptstraßen gepflastert.

Politisch waren Stadt und Amt Medebach während des Zweiten Kaiserreiches eine feste Bastion der katholischen Zentrumspartei, die bei den Reichstagswahlen regelmäßig über 90 Prozent der Stimmen erhielt. Der Versuch Preußens während des Kulturkampfes (1872-1878) den Einfluss der katholischen Kirche im Staat zurückzudrängen, fand in Medebach keine Unterstützung. Die Medebacher Bevölkerung blieb aber nicht unberührt von den national-patriotischen Strömungen des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts. 1869 wurde der Krieger- und Landwehrverein und 1885 der Vaterländische Frauenverein gegründet. Auch in Medebach wurde der Ausbruch des Ersten Weltkriegs im August 1914 mit Begeisterung aufgenommen, doch folgte sehr schnell die Ernüchterung, als sich die Lebensverhältnisse infolge der Kriegswirtschaft zunehmend verschlechterten. Wieder einmal gerieten die kommunalen Haushalte in Unordnung, wovon sich die Medebacher Amtskasse erst Mitte der zwanziger Jahre erholte.

Weimarer Republik 

Der Übergang in die Weimarer Republik nach 1918 gestaltete sich für Medebach unproblematisch, das Zentrum blieb die bestimmende politische Kraft in Stadt und Amt. Das änderte sich erst nach der Weltwirtschaftskrise von 1929, als die Bindungskraft der Zentrumspartei nachließ, und Adolf Hitlers Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) auch in Medebach zunehmend Anhänger gewinnen konnte. Es fiel der Hitler-Partei in einem katholisch-konservativen Milieu wie Medebach aber zunächst schwer, größere Stimmanteile zu erzielen. Bei der Reichstagswahl vom Juli 1932 wählten 18,8 Prozent der Wahlberechtigten im Amt Medebach die NSDAP (Zentrum 67,3 Prozent), und selbst nach Hitlers Machtübernahme im Januar 1933 lag der Stimmanteil des Zentrums bei der Reichstagswahl vom März 1933 mit 53,7 Prozent noch deutlich vor der NSDAP mit 36,3 Prozent. Erst im August 1933 übernahmen die Nationalsozialisten die Macht in Medebach, als der gewählte Stadtrat geschlossen zurücktrat, um einer zwangsweisen Amtsenthebung zuvorzukommen. Wie überall in Deutschland passte sich auch die Medebacher Bevölkerung während der dreißiger Jahre den Verhältnissen an. Offenen Widerstand gegen das Regime gab es nicht, zumal die staatlichen Organe missliebige Gruppen, wie den 1885 gegründeten katholischen Gesellenverein, genau beobachteten.

Ein schwarzes Kapitel der deutschen Geschichte ist die Reichspogromnacht vom November 1938. Auch in Medebach wurden Geschäfte und Wohnungen jüdischer Mitbürger demoliert, die ehemalige Synagoge wurde vollkommen zerstört. Der Zweite Weltkrieg (1939-1945) machte sich für die Medebacher Bevölkerung zunächst durch die Zwangseinquartierung vieler Bombenflüchtlinge aus den Ruhrgebietsstädten bemerkbar. Kurz vor Kriegsende - in der Woche vor Ostern 1945 - kam es im Amt Medebach noch zu heftigen Kampfhandlungen im Raum Küstelberg/Glindfeld. Insgesamt fielen im Zweiten Weltkrieg allein aus der Stadt Medebach 405 Soldaten; außerdem wurden 14 Zivilpersonen getötet.

Politische Neubildung 

Unmittelbar nach Kriegsende begann der Wiederaufbau. Der Kreis Brilon mit dem Amt Medebach wurde 1946 dem neugegründeten Land Nordrhein-Westfalen zugeteilt. Damit verbunden war die Einführung der Zweigleisigkeit in der kommunalen Verwaltung. Bei den ersten Landtagswahlen im April 1947 wurde im Amtsbezirk Medebach die Christlich-Demokratische Union (CDU) mit 56,5 Prozent der Stimmen stärkste Partei vor dem Zentrum mit 27,3 Prozent. Bei den kommenden Wahlen verlor die Zentrumspartei immer mehr an Bedeutung, wohingegen die CDU mit Stimmanteilen von 70 bis 80 Prozent bis heute die stärkste politische Kraft in Medebach stellt.

Schon in den fünfziger Jahren bemühten sich Stadt- und Amtsverwaltung um eine Verbesserung der Erwerbsmöglichkeiten der Bevölkerung. Die wichtigste Einnahmequelle bildete fortan der Tourismus. Dagegen scheiterten alle Versuche, größere Industrieunternehmen zur Ansiedlung zu bewegen, an der schlechten verkehrlichen Anbindung des Medebacher Raumes.

Kommunale Neugliederung 

Dennoch setzte das Amt Medebach den Überlegungen, es im Zuge der kommunalen Neugliederung des Landes Nordrhein-Westfalen mit den bisherigen Ämtern Niedersfeld, Hallenberg und Winterberg zu einem Amtsbezirk mit Sitz in Winterberg zusammenzuschließen, energischen Widerstand entgegen. Dabei konnte die Amtsvertretung darauf verweisen, dass alle wichtigen Infrastruktureinrichtungen im Amt Medebach selbst vorhanden waren. Im weiteren Verlauf der Neugliederungsmaßnahmen schlossen sich die Stadt Medebach und die zum Amt Medebach gehörenden Gemeinden Berge, Deifeld, Dreislar, Düdinghausen, Küstelberg, Medelon, Oberschledorn, Referinghausen und Titmaringhausen am 1. Juli 1969 zur neuen Großgemeinde Stadt Medebach zusammen.

Auf die neue Stadt Medebach warteten in den kommenden Jahren viele Aufgaben. Für die Verbesserung der Infrastruktur mussten erhebliche Mittel bereitgestellt werden, u.a. für den Ausbau und den Erhalt des Straßennetzes, die Erschließung neuer Wohnbauflächen, das Schulwesen (Einweihung des Schulzentrums 1980), eine geordnete zentrale Abwasserbeseitigung und die Sicherstellung der Wasserversorgung. Besondere Schwierigkeiten bereitete die Schaffung von Arbeitsplätzen, zumal in den achtziger Jahren durch Firmenschließungen fast 500 Arbeitsplätze in Medebach verlorengingen. Große Hoffnungen setzt die Stadt deshalb in den witterungsunabhängigen Ferienpark, der nach zehnjährigen Planungs- und Bauarbeiten in diesem Jahr eröffnet wurde. Mit seinen vielfältigen Freizeit- und Erholungseinrichtungen soll der Ferienpark zur Belebung des Tourismus in Medebach beitragen und außerdem 200 Vollarbeitsplätze schaffen. Da auch die städtischen Finanzen dank rigoroser Sparmaßnahmen in den letzten Jahren saniert werden konnten, kann die Stadt Medebach mit einigem Optimismus in die Zukunft schauen.

 Aus Anlass der 850. Wiederkehr der Ersterwähnung ist eine umfassende Darstellung zur Geschichte Medebachs erschienen: Harm Klueting (Hrsg.), Geschichte von Stadt und Amt Medebach (Hochsauerland), Medebach 1994, 750 Seiten mit 100 Abbildungen und einer Faltkarte. Das Buch kann über die Touristik GmbH Medebach, Marktplatz 1, 59964 Medebach, Telefon 02982/9218610, Telefax 02982/9218611, zum Preis von 25,00 € bezogen werden.

(von Jens Foken)